Vier Frauen aus dem Rhein-Lahn-Kreis präsentierten in Bremen ihr Projekt TrauKidsKatz – Wege finden, mit der Trauer zu leben
Bei der Messe „Leben und Tod“ in Bremen, verbunden mit einem Fortbildungsprogramm rund um die Themen am Lebensende, zeigten 170 Informations-, Beratungs- und Verkaufsstände, wie vielfältig der Umgang mit Abschied und Erinnerung sein kann. Mitten im Messegeschehen vier taffe Frauen aus dem Rhein-Lahn-Kreis. An ihrem Stand stellten sie das Projekt TrauKidsKatz vor sowie einige selbstentwickelte Werkzeuge für die Trauerarbeit.
„Wir haben schon ganz viele Bestellungen“, freut sich Petra Opel-Minor (Singhofen), die Initiatorin des Projektes. Die Bestellungen gelten den Affirmationskarten und dem Begleitheft, ihre Abschlussarbeit der Qualifizierung als zertifizierte Trauerbegleiterin für Kinder und Jugendliche beim Bundesverband Trauerbegleitung (BVT). Daneben findet ihr Trauerkoffer große Aufmerksamkeit, ebenso wie die Trostbeutel, die von Gabi Maas (Bornich) liebevoll genähten bunten Gefühlsmonster, das Buch der Trauerkompass von Nancy Schuhmacher (Katzenelnbogen) sowie viele andere Materialien. Der Stand, an dem ebenfalls Oana Wöll (Nastätten) beredt Auskunft gibt, ist ständig von Besucher*innen umringt.
Im Mittelpunkt steht TrauKidsKatz, eine Kindertrauergruppe, die sich alle vierzehn Tage im Haus der Familie in Katzenelnbogen trifft. Der Name setzt sich zusammen aus Trauer, Kids/Kinder und der Katze, dem Symbol- und Krafttier der Gruppe. „Wir wollen Kindern einen Raum geben, den eigenen Trauerweg zu finden“, erklärt Petra Opel-Minor, „denn Kinder trauern anders.“ Trauer sei keine Krankheit, aber sie könne krank machen, wenn sie verdrängt und nicht verarbeitet wird.
Kinder, weiß die Lebens-, Hospiz- und Trauerbegleiterin, drücken ihre Emotionen oft anders aus und Erwachsene können diese oft nicht einordnen. In der Gemeinschaft mit anderen betroffenen Kindern, beim Spiel und beim kreativen Gestalten falle es den Kindern oft leichter, ihre Gefühle zu benennen und diese zu teilen. In einem geschützten Raum dürfen Kinder- und Jugendliche ihrer Trauer Ausdruck verleihen. Ausgebildete Trauerbegleiterinnen leiten die Gruppe an, hören zu, kommen mit den Kindern ins Gespräch, geben Impulse und leisten Unterstützung. Darüber hinaus bieten die Aktiven der TrauKidsKatz Familien einen Raum, um ihre Ressourcen zu stärken und Möglichkeiten zu erkunden, mit der Trauer zu leben.
TrauKidsKatz ist ein Projekt der Ambulanten Hospizdienste Rhein-Lahn, das trauernde junge Menschen begleitet – achtsam, kindgerecht und mit ganz viel Herz. „Hier geht es nicht um schnelle Antworten oder gutgemeinte Ratschläge. Es geht ums Dasein, ums Zuhören, ums gemeinsame Aushalten und ums behutsame Wieder-Finden von Mut, Freude und Lebensenergie“, verdeutlicht Hospiz- und Trauerbegleiterin Gabi Maas, die die Gruppe zusammen mit Petra Opel-Minor gründete. Wichtig ist beiden, dass neben der Trauer auch die Lebensfreude im Mittelpunkt steht: „Trauer darf bunt sein.“ Die Teilnahme ist für die Kinder kostenlos. Das Projekt finanziert sich aus Spenden. Spendenkonto: DE 74 5105 0015 0552 1875 39, Verwendungszweck: TrauKidsKatz
Bunt ist auch der Inhalt von Petra Minors Trauerkoffer unterwegs. Wissbegierig vertieften sich viele Messebesucher*innen darin. Unter den rund 30 Dingen im Koffer fanden sie u.a. eine Erinnerungskiste, CDs, eine Muschel, ein Miniwohnmobil, ein Tuch, das zur Aufarbeitung der Trauer individuell gestaltet werden kann, Materialien zum kreativen Tun, eine Box mit Elementen rund um Sternenkinder, eine Literaturliste, Ausdruckskarten Gefühle, ein Collagen-Buch in Kleinformat, Block und Stift, ein Mini-Briefumschlag, Samenkugeln, ein Trostengel mit Herz, eine Trauerbox, ein Seelenvogel aus Federn und vieles mehr.
Prall gefüllt ist der Koffer unterwegs, um im Bereich Tod und Trauer Informationen, Kreative Angebote und Impulse zur Unterstützung von Trauernden, verantwortlichen Fachkräften und ehrenamtlichen Trauerbegleitern weiterzugeben. Rund um das Thema Trauer wird er eingesetzt in Schulen, Kitas, öffentlichen Veranstaltungen, bei Workshops und Weiterbildungen im Bereich Hospiz- Palliativ- und Trauerarbeit sowie bei Gruppentreffen und Seminaren. Der kleine Bruder des Trauerkoffers ist der Trostbeutel, ein Jutebeutel mit ähnlichen Dingen in Miniatur, den die Trauernden selbst erhalten und sich damit beschäftigen können. Petra Opel-Minor konstatiert: „Der Trauerkoffer bietet Impulse durch Kreativität die eigenen Ressourcen zu aktivieren und verschiedene, hilfreiche Wege zu finden, um den eigenen Trauerweg zu gehen“. vy
